Kultur

 

Die Kultur in Buenos Aires ist sehr stark durch die Immigration von Europäern in der Geschichte der Stadt gekennzeichnet. Im Gegensatz zu den meisten anderen südamerikanischen Ländern ist der Einfluss indigener Völker in Argentinien sehr klein. Noch immer kann man die europäischen Züge in der Kultur, insbesondere in der Kunst und Architektur, deutlich erkennen und es wird viel Wert darauf gelegt die Kultur und Geschichte in Buenos Aires zu konservieren. Das zentrale Kulturgut sind jedoch die Mentalität und der Charakter der Einwohner von Buenos Aires und ihre Liebe zum Tango. In jedem einzelnen Teil der Stadt kann man teils feine und teils deutliche Unterschiede zu anderen erkennen. So hat jeder Stadtteil seine eigene Kultur entwickelt.

 

 

Tango

 

Gerade durch die Musik und den Tanz des Tango ist Buenos Aires weltberühmt geworden. Die Stadt ist der Ursprung dieser Kunst und das spürt man an jeder Ecke. Das Erbe von Carlos Gardel, einem der großartigsten Tangotänzer aller Zeiten, kommt regelmäßig aus dem Radio, läuft in Nachtclubs und vielerorts wird auf der Straße getanzt. In der ganzen Stadt gibt es Tango Shows, die von gemütlichem Ambiente in kleinen Sälen bis hin zu riesigen Shows mit den besten Künstlern der Welt reichen. Der Ursprung dieses intensiven Tanzes stammt aus dem Jahre 1870 und wurde vor allem in den ärmeren Stadtteilen von Buenos Aires getanzt. Von da aus hat er die Welt erobert, um in Buenos Aires zu Hause zu bleiben.

 

Piazzolla Tango

Ein Geheimtipp für Tango-Shows ist das Piazzolla Tango. Dieses Tangolokal ist größtenteils von Touristenströmen und Kitsch verschont geblieben. Stattdessen überzeugt es mit einer klassisch-stilvollen Einrichtung und vernünftigen Preisen. Der Name kommt von einem der größten Tango Komponisten der Vergangenheit, Astor Piazzolla. Auf der Bühne treten viele Talente aus Buenos Aires selbst auf und sorgen dafür, dass man hier eine wirklich authentische Tango Show erleben kann.

Adresse: Florida 165- San Martín 170- Galería Güemes, San Nicolás, Buenos Aires. Internet: http://www.piazzollatangoshow.com/

 

La Ventana

La Ventana bietet Tango Shows auf 3 Etagen. Die wunderschöne Innenausstattung verstärkt die besondere Erfahrung des Tangos zusätzlich, besonders die Backsteinwände und Weinregale der untersten Etage haben einen speziellen Charme. Jede Nacht kann man hier die Shows der über 30 Künstler bewundern. Die Künstler wohnen sogar im selben Gebäude und werden auf diese Art unterstützt und gefördert.

Adresse: Balcarce 431, San Telmo, Buenos Aires. Internet: http://www.la-ventana.com.ar/

 

Señor Tango

Die Shows im Señor Tango sind lange nicht so intim und persönlich, wie in anderen Tango Etablissements, aber dafür sind sie richtig groß und atemberaubend. Die Vorstellungen hier werden mit denen des Broadway in New York verglichen. Interessant ist, dass der Eigentümer des Señor Tango selber in der Show singt.

Adresse: Vieytes 1655, Barracas, Buenos Aires. Internet: http://www.senortango.com.ar/

 

 

Museen

 

Museo Evita

Eva Perón, besser bekannt als Evita, war die erste Frau in Argentinien, die ernsthaften Einfluss auf die Politik des Landes hatte. Sie war die Gattin des ehemaligen Präsidenten Juan Perón. Einen Schub ihrer Bekanntheit erfuhr sie noch einmal durch den Film Evita mit Madonna in der Rolle der Eva Perón. In dem Museum sind viele Videos, Fotos und auch private Gegenstände und Kleider von Eva Perón zu sehen.

Adresse: Lafinur 2988, Palermo, Buenos Aires

 

Museum der argentinischen Geschichte

Das Museum war anfangs, als es 1889 eröffnet wurde, nur das städtische Museum von Buenos Aires. Im Laufe der Zeit wurde es dann jedoch zum nationalen Museum erweitert und zeigt heute die Geschichte, Kunst und verschiedene Artefakte aus Argentinien. Das frühere Herrenhaus, in dem sich das Museum befindet, steht unter Denkmalschutz als ein Nationales Historisches Monument.

Adresse: Defensa 1600, San Telmo, Buenos Aires

 

Museum der nationalen Tango Akademie

Bei Weitem nicht das Einzige, aber eines der besten Tango-Museen, ist das Museum der nationalen Tango Akademie. Hier wird die Geschichte des Tangos von 1850 an dokumentiert. Zu sehen gibt es neben vielen visuellen Elementen auch Artefakte aus den Anfangszeiten und von den Schöpfern des Tango. Für alle die den Tanz nicht nur sehen, sondern auch verstehen wollen lohnt sich ein Besuch hier.

Adresse: Rivadavia 830, San Nicolás, Buenos Aires

 

 

Kunst

 

Nationales Museum der Schönen Künste

Das "Museo Nacional de Bellas Artes" ist das wichtigste Kunstmuseum in Argentinien. Hier sind Gemälde vieler bedeutender internationaler Künstler und die Werke berühmter argentinischer Maler zu bestaunen. Obwohl es sich in einem großen, eindrucksvollen Gebäude befindet, hat das Museum einen persönlichen Charme.

Adresse: Avenida Del Libertador 1473, Palermo, Buenos Aires. Informationen auf Spanisch und Englisch gibt es hier http://www.mnba.org.ar .

 

Zeitgenössische Kunst

Buenos Aires legt nicht nur viel Wert auf kulturelles Erbe, sondern auch auf zeitgenössische Kunst. Besonders auf den Werken unabhängiger, einheimischer Künstler liegt der Fokus. Die besten Adressen für zeitgenössische Kunst sind das Zavaleta, Lab, Ruth Benzacar und Braga Mendez Arte Contemporaneo.

 

 

Theater

 

Teatro Colón

Im Jahre 1908 fertiggestellt war das Tetro Colón bis zur Eröffnung der Oper in Sydney 1973 das größte Opernhaus der südlichen Hemisphäre. Das Theater steht unter Denkmalschutz und ist ein imposantes Bauwerk, das die Heimat von weltklasse Oper, Ballett und klassischer Musik ist. Es läuft das Wort um, dass das Teatro Colón die weltweit beste Akustik bietet. Egal ob das so richtig ist oder nicht, das Bauwerk an sich ist schon einen Besuch wert.

Adresse: Libertad 621, Buenos Aires. Informationen auf Spanisch und Englisch http://www.teatrocolon.org.ar/ .

 

Andamio 90

Das Andamio 90 hat nur Vorstellungen in Spanisch auf dem Programm. In Kombination mit einer Sprachreise ist es also eine gute Idee hierher zu kommen, um die Sprache weiter zu lernen. Mit seinen Backsteinwänden und umgewandelten Klappstühlen ist das Andamio 90 ein wenig alternativer als die großen Theater und gemütlicher.

Adresse: Paraná 660, Buenos Aires. Informationen auf Spanisch auf http://www.andamio90.org/ .

 

Teatro General San Martín

Zum 150 jährigen Jubiläum der Mai Revolution wurde das Teatro General San Martín eröffnet. Kulturell ist es das wichtigste Theater der Stadt und zieht jedes Jahr 1 Millionen Besucher an. In den zahlreichen Sälen gibt es die verschiedenartigsten Vorstellungen von Ballett bis hin zu Komödien.

Adresse: Av. Corrientes 1530, Microcentro, Buenos Aires. Spanische und Englische Informationen gibt es auf http://www.teatrosanmartin.com.ar/ .

 

 

Geschichte

 

Vor der Entdeckung und Besiedlung

Vor der Entdeckung Argentiniens lebten verschiedene Völker von Ureinwohnern in den Weiten des Landes. Die Diaguita und Tehuelches waren Jäger und Sammler im Südosten und Patagonien. Im Osten lebten die Guaraná und im Norden die Quechua, die ihre Nahrung schon aus verschiedenen Formen der Agrikultur bezogen. Auch die berühmten Inkas besiedelten Teile von Argentinien.

 

Erste Siedler

Die ersten Siedler in Südamerika brachte Amerigo Vespucci im Jahre 1502 über Peru nach Lima, den damaligen Regierungssitz des Vizekönigreichs von Spanien. Die erste Fahrt zum Río de la Plata durch Juan Díaz de Solís erfolgte erst im Jahre 1516 und wurde nahe dem Tigre jäh von feindlich gesinnten Indianern beendet. Auf der Suche nach dem Wasserweg nach Indien kamen dabei alle Mitreisenden der Expedition ums Leben. 20 Jahre später siedelten zuerst Europäer auf dem heutigen Stadtgebiet von Buenos Aires. Die Schutzpatronin der Segler schenkte der Siedlung den ausführlichen Namen "Puerto de Nuestra Señora Santa María del Buen Ayre", was so viel heißt wie Hafen unserer heiligen Maria des guten Windes. Doch auch dieser Ansiedlung setzen sich die Indianer zu Wehr und vertrieben die Eindringlinge weiter in den Norden in das heutige Paraguay.

 

Bis 1580 war Buenos Aires dann verlassen, als erneut Siedler versuchten hier sesshaft zu werden. Diesmal konnte man sich gegen die Indianer verteidigen und eine Befestigung bauen. Von nun an war die Region Río de la Plata eine semi-unabhängige Region unter dem Vizekönigreich Spaniens. Was Buenos Aires extrem an seiner Entwicklung hinderte, waren die Handelsgesetze des Vizekönigreichs. Alle Import- und Exportwaren mussten wegen strenger Zollbestimmungen über Lima transportiert werden, sodass Buenos Aires von seiner großartigen Lage nicht profitieren konnte. Obwohl der Schmuggel dadurch sehr angeregt wurde, lebten 1726 nur ca. 2200 Einwohner in der Stadt. Durch die aktive Rolle in Kriegen war in Spanien ein hoher Bedarf an Vieh und Pferden, dadurch entwickelte sich in Argentinien die auch heute noch berühmte Viehwirtschaft.

 

Neue Hauptstadt

Für die Spanier war es wichtig mehr Kontrolle über die Regionen südlich von Peru zu erlangen und so wurde 1776 das Vizekönigreich Río de la Plata, bestehend aus Argentinien, Bolivien, Uruguay und Paraguay, gegründet. Buenos Aires wurde die Hauptstadt der Region. Sowohl durch die Entwicklung als auch den ausufernden Schmuggel erhielt Buenos Aires nun eine eigene Zollverwaltung und so konnte der Handel florieren und das ökonomische Wachstum begann. Die Hauptexporte Argentiniens, die nun über Buenos Aires liefen, waren Leder und Edelmetalle. Die Stadt wurde nach und nach so erfolgreich, dass sich das britische Königreich dafür interessierte und je 1806 und 1807 die Stadt Angriff. Zwar flohen die Spanier vor den Briten, aber eine Miliz, die sich aus Kolonisten geformt hatte, schlug die Briten zurück.

 

Der dadurch entstandene Stolz der Argentinier war auch Anstoß für die Unabhängigkeitsbewegung, die in den Jahren danach folgen sollte. Verstärkt wurde der Wunsch nach Unabhängigkeit durch den Unabhängigkeitskrieg in den USA und die internen Probleme des spanischen Königreichs. Letztendlich wurde am 25. Mai 1810 der Vizekönig abgesetzt und eine Junta übernahm die Macht. Die offizielle Unabhängigkeit wurde am 9. Juli 1816 in Tucumán beschlossen. In den Jahren danach folgten auch die anderen Länder der Region in die Unabhängigkeit. Das spanische Königreich verlor ungern die Mach über Argentinien, wurde 1824 aber endgültig besiegt. Im Jahr danach wurde Argentinien vom britischen Königreich als unabhängig anerkannt und reger Handel und Investitionen der Briten unterstützten die rasche Entwicklung von Buenos Aires.

 

Obwohl Argentinien die Unabhängigkeit erlangt hatte, gab es viele interne Probleme. Die zwei größten Parteien, die Unitarier und die Föderalisten, lieferten sich einen langen Bürgerkrieg immer unterschiedlicher Intensität. 1829 wurde dann Juan Manuel de Rosas Gouverneur von Buenos Aires. Aus einer noblen Familie stammend hatte er sich einen Ruf als Führer einer Miliz verschafft. Seine Regierung war sehr konservativ, unterdrückte die Bevölkerung oft auf brutale Weise. Dem wurde besonders durch die paramilitärische Organisation "La Mazorca" Ausdruck verliehen. 1852 wurde er gestürzt und der Föderalist José de Urquiza übernahm die Regierung, die letztendlich ein Jahr später auch eine Konstitution erwirkte.

 

Von nun an Stand Argentinien auch den Einwanderern aus Europa offen von denen bis in die 1940er Jahre viele nach Argentinien auswanderten. Der Großteil der Einwanderer kam aus Spanien und Italien und entwickelte eine eigene Mischsprache, die sich Cocoliche nannten und zu Zeiten von über 40% der Bevölkerung gesprochen wurde.

 

Wachstum

Ab Ende des 19. Jahrhunderts setzt ein starkes ökonomisches Wachstum in Argentinien ein. Ermöglicht wurde das durch viele Bodenschätze, die grenzenlose Agrarwirtschaft, den Zuzug der europäischen Einwanderer und großflächige Investitionen aus dem Ausland. An einem gewissen Punkt war Argentinien eines der 10 reichsten Länder der Welt. 1985 lebten bereits 670.000 Menschen in Buenos Aires und arbeiteten in den Docks, lebten auf sehr engem Raum und entwickelten dabei den Tango. Problematisch dabei war, dass der Reichtum Argentiniens in nur wenige Taschen floss. Die "Argentine Rural Society" verwaltete das Farmland Argentiniens und bestand aus lediglich 300 noblen Familien. Dazu regierte am Ende des 19. Jahrhunderts Julio de Roca als Präsident mit einem erweiterten Freundeskreis als Entscheidungsträger und der ARS zusammen. Wenig überraschend wuchs der Unmut der Sozialisten und Radikalen, der Unión Cívica Radical. Durch den kontinuierlichen Zufluss von Einwanderern wurde 1912 das allgemeine Wahlrecht eingeführt was aufgrund permanenter politischer Unruhen 1916 die ersten demokratischen Wahlen herbeiführte.

 

Politische Unruhen

Für 14 Jahre regierte die Radikale Partei, aber wie so oft konnten die Versprechen nicht gehalten werden. Die üblichen Spannungen zwischen den Radikalen und der reichen Elite und dem Militär mündete in einem Militärputsch, nachdem während der Regierung der Radikalen viel schief gelaufen war. Die Löhne stagnierten mit der Wirtschaft, Exporteinnahmen sanken. Unmut machte sich unter den Porteños breit und sie zogen zu Demonstrationen auf die Straße. 1919 ereignete sich "La Semana Trágica", die tragische Woche, in der 100 Metallarbeiter bei Demonstrationen getötet wurden. In den folgenden zwei Dekaden regierten Korruption und Wahlbetrug das Land, die Demokratie existierte nur auf dem Papier. Durch Argentiniens Neutralität im 2. Weltkrieg erfuhr das Land dann eine weitere Einwanderungswelle.

 

1946 wurde Juan Domingo Perón zum Präsidenten Argentiniens gewählt. Zusammen mit seiner Frau Eva, oder auch Evita, führte er zahlreiche sozialistische Maßnahmen, wie zum Beispiel Verstaatlichung von Großbetrieben, durch. Das Militär hatte natürlich etwas dagegen und zwang Perón mit einem Putsch 1955 zur Flucht. Wieder einmal folgten Jahre des Auf und Ab, ökonomisch wie politisch. In den 70ern wurde Perón erneut Präsident, starb aber im Oktober 1974 und wurde von seiner Frau abgelöst, die nur 2 Jahre später wieder durch einen Putsch abgesetzt wurde. Zu dieser Zeit konnte der Papst einen Krieg zwischen Argentinien und Chile gerade verhindern, war aber machtlos beim Krieg um die Falklandinseln. Während der Regierung der Junta, verschwanden währenddessen in 7 Jahren 20.000 bis 30.000 Mitglieder der Opposition spurlos. Die Mütter der Verschwundenen protestieren auf dem Plaza de Mayo und wurden als Madres de Plaza de Mayo bekannt. Viele der Verschollenen wurden entführt und einfach über dem Ozean aus Flugzeugen geworfen.

 

Wirtschaftskrisen und Stabilisierung

1989 ereilte Argentinien eine weitere desaströse Wirtschaftskrise, die Raúl Alfonsín, einen Präsidenten, der für die Demokratie im Land kämpfte, zum vorzeitigen Abtritt zwang. Im Anschluss wurden Verstaatlichungen aufgehoben und eine moderne Marktwirtschaft eingeführt. Dadurch floss wieder viel Geld nach Argentinien und das Land konnte sich erholen. Um die stets inflationäre Währung zu stabilisieren wurde sie eins zu eins an den US Dollar gebunden. Diese Maßnahme war aber auch einer der Auslöser für die nächste Wirtschaftskrise von 1998 bis 2002, als die Wirtschaftskraft um 20% sank. 2003 kehrte nach chaotischen Wahlen mit Néstor Kirchner als Präsident wieder etwas Ruhe und Stabilität ein. 2007 übernahm das Amt seine Frau Christina Fernández de Kirchner in Wahlen sein Amt.